Die Geschichte der Stadt Bad Radkersburg
Anfänge
Wann Radkersburg als Siedlung erschlossen wurde, wo sich diese befand
und wer sie gründete, ist nicht eindeutig rekonstruierbar. Auch der
Zeitpunkt, ab dem Radkersburg unter landesfürstliche Herrschaft fiel,
bleibt unbekannt. Vermutlich war Radkersburg ursprünglich ein Eigengut,
gehörte also nicht dem Landesfürsten, sondern einem direkt vom König
beschenkten Adeligen. Nach heutigem Forschungsstand wurde Radkersburg
nicht, wie lange Zeit angenommen, vom Böhmenkönig Ottokar II., sondern
vom Habsburgerkönig Albrecht I. gegründet. Dem Erscheinungsbild der
heutigen Stadt liegt ein präziser Konstruktionsplan zugrunde. Bereits
Ende des 13. Jahrhunderts war die Stadt von einer Mauer mit Türmen
umgeben.
Handelszentrum und Schutzfunktion als Festung
Radkersburg gehörte im Spätmittelalter zu den wichtigsten Handelsstädten
der Steiermark. Die Stadt lag verkehrstechnisch gesehen äußerst günstig
an der Ungarnstraße und war Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen.
Eine weitaus gewichtigere Rolle als der Verkehr auf den gefährlichen
und häufig unwegsamen Landstraßen spielte im Mittelalter der Verkehr
auf dem Wasserweg der Mur. Die Mur ermöglichte als Verkehrsweg die
umfangreichen Handelsbeziehungen zwischen der Obersteiermark und der Süd-
bzw. Untersteiermark. Im Mittelalter wurde die landesfürstliche Stadt
Radkersburg wie eine Vielzahl anderer Städte und Märkte mit einer
Reihe von verfassungs- und wirtschaftsrechtlichen Privilegien
ausgestattet. Ihren wirtschaftlichen Höhepunkt erreichte die Stadt
1498, in diesem Jahr stand Radkersburg im Steueranschlag hinter Graz an
zweiter Stelle.
An der Grenze zu Ungarn gelegen hatte Radkersburg von Anfang an eine
strategisch wichtige Bedeutung als Festung. Diese Festung hatte die
Aufgabe, einen ersten Ansturm zu brechen und somit ein Vordringen möglicher
Feinde durch das untere Murtal gegen die Landeshauptstadt zu verhindern.
Im Jahr 1582 wurde Radkersburg auf dem Reichstag in Augsburg zur
Reichsfestung erhoben.
Das mittelalterlichen Radkersburg war von einer einfachen Mauer, der
Ringmauer, umgeben und einem Graben umschlossen.
Ein wesentliches Element der mittelalterlichen Befestigung waren die
Wehrtürme, von denen heute noch vier mehr oder weniger vollständig
erhalten sind.
Die Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich im 16. Jahrhundert
zwangen zur Erneuerung und Modernisierung des Festungsbaus.
Italienische Baumeister wurden aufgrund ihrer ausgezeichneten Kenntnisse
im Festungsbau nach Österreich geholt. Mit der Bauleitung wurde der aus
Lugano stammende Domenico de Lallio beauftragt. Die erste Ausbauphase in
Radkersburg war durch die Leistung de Lallios gekennzeichnet. Die
Hauptmerkmale der Renaissancebefestigung waren Bastionen, Kurtinen und
ein tiefer Graben. Trotz einiger baulicher Veränderungen innerhalb der
letzten 200 Jahre sind die zentralen Elemente der Befestigung in einer
nahezu einzigartigen, geschlossenen Form erhalten geblieben.
Niedergang und Stagnation

Mit dem Ausgang des Mittelalters erfolgte ein Wendepunkt in der
Geschichte der Stadt. Die Zeit der Blüte ist vorbei. Im 16. Und 17.
Jahrhundert bestimmen kriegerische Auseinandersetzungen, religiöse
Konflikte (Vertreibung der Juden und Gegenreformation) Mißernten, Brände
und Überschwemmungen das Leben der Radkersburger Bevölkerung.
Radkersburg war aufgrund seiner Grenzlage zu Ungarn seit dem 13.
Jahrhundert immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen
verwickelt. Die Bevölkerung überstand die sogenannte Baumkircher Fehde
(1469) und die zehnjährige Ungarnherrschaft (1480-1490) relativ
unbeschadet. Im 16. Jahrhundert allerdings hatten die kriegerischen
Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich für Radkersburg
einschneidende Folgen, vor allem was den Festungsbau betraf. Die Stadt
hat zwar im Innern der Mauern äußere Feinde in dieser Zeit nie
gesehen. Da sie aber der letzte Musterungs- und Abdankungsplatz für die
kroatisch-slawonische Militärgrenze war, wurde sie von
"eigenen" Soldaten mehrmals geplündert. Die bäuerliche Bevölkerung
der Umgebung wurde nicht nur durch Streifzüge von Osmanen, Haiducken
und Kuruzzen in Angst und Schrecken versetzt, sondern war einer
verstärkten Ausbeutung durch die Grundherren ausgeliefert, die die
ihnen auferlegte erhöhte Steuerbelastung auf die Bauern umlegten.
Am Rande des Randes

Der Handel entlang der Mur und die politisch-militärischen
Interessen der Herrschenden an den südöstlichen Gebieten waren über
Jahrhunderte ausschlaggebend für die Bedeutung der Stadt Radkersburg
gewesen. Im 18. Jahrhundert endeten die Auseinandersetzungen mit dem
Osmanischen Reich, damit auch die Wichtigkeit Radkersburgs als
Festungsstadt. Zur selben Zeit verminderte sich auch die Bedeutung der
Mur als Handelsweg. Ein wachsendes Interesse an der Nord-Süd-Handelsverbindung
zur Adria, besser ausgebaute Straßen und die Eisenbahn, die es
erlaubte, mit einer noch nie dagewesenen Kapazität und Möglichkeit
Transporte vorzunehmen, machten die Murschifffahrt wirtschaftlich
unrentabel.
Zwar gab es in der Stadt zahlreiche Handels- und Gewerbetreibende,
der Handel Radkersburgs beschränkte sich in dieser Zeit aber nur mehr
auf das nähere Umland. Auch die Industrialisierung war an der Region
– vermutlich aufgrund der ungünstigen geographischen Lage und der
fehlenden Infrastruktur – spurlos vorüber gegangen. Seit 1842
existierte in Radkersburg wieder eine Garnison. So entwickelte sich die
ehemals blühende Handelsstadt im 19. Jahrhundert zu einer typischen
Provinzgarnisonsstadt der Monarchie.
Eine Grenze durch die Stadt, die Region und durch die Menschen
In den 1880er Jahren begann sich ein nationaler Konflikt zu
entfalten, der vor allem die Sprachenfrage in Schule, Amt, Gericht und
politischer Repräsentation betraf.
Die Sprache der Radkersburger Bürger war in der Regel das Deutsche.
Ihre Dienstboten hingegen und die bäuerliche Bevölkerung der
Umgebungsgemeinden sprachen mehrheitlich slowenisch.
Der Nationalitätenkonflikt eskalierte politisch-militärisch im
Ersten Weltkrieg. Nach Zusammenbruch der Monarchie wurde Radkersburg von
SHS-Truppen (Serben, Kroaten, Slowenen) besetzt. Mit dem Aufstand der
"Freischar" am 4. Februar 1919 und der Grenzziehung 1920 wurde
der Nationalitätenkonflikt virulent wie nie zuvor. Der Friedensvertrag
von St. Germain machte Radkersburg zur Grenzstadt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Nationalitätenproblematik durch den
Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben. Resultat der Politik des
Großdeutschen Reiches war nicht nur die Zerstörung der Stadt – nur
vier Häuser von 321 blieben unbeschädigt - , sondern für die Zeit
danach ein Klima von Mißtrauen, das die Grenzbevölkerung diesseits und
jenseits der Grenze prägte.
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