Eine tote Grenze, der kalte Krieg, wiederauflebende Gebietsansprüche,
dazu eine periphere geographische Lage und fehlende Industriebetriebe führten
zu einer verstärkten Abwanderung und Pendlerbewegung. Eine erste
Reaktion darauf war vorerst die Belebung der Bauwirtschaft.
Die Wiedereröffnung der Murbrücke am 12. Oktober 1969 als
Gemeinschaftswerk Österreichs und Jugoslawiens markiert einen
Neubeginn. Die Brücke ist Symbol für die Bestrebungen, die alten
Konflikte zu begraben und gutnachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen.
Bestimmend für die weitere Entwicklung der Stadt Radkersburg und der
Region war die Forcierung des Fremdenverkehrs, Basis dafür war eine
eingehende Analyse der Mineralwasserquelle im Stadtpark. Ihr folgte die
Errichtung des Kurzenturms. Nach gezielter Suche wurde 1978 die
Thermalquelle erschlossen. Darauf folgte der Ausbau des Thermalbades im
Baukastensystem. Bad Radkersburg zeiht als touristischer Gesundheits-
und Erholungsort in den späten 1990er Jahren jährlich 500.000 Besucher
an. Das bedeutet eine Zahl von fast 340.000 Nächtigungen in der Stadt
und in der Umgebung.
Ein weiterer Grund für die Beliebtheit Radkersburgs ist die
attraktive Altstadt (1978 Europagoldmedaille für Denkmalpflege) und
eine landschaftliche wie kulinarische, reizvolle Umgebung.
Die Stadtverwaltung setzt für die Zukunft auf einen weiteren Ausbau
des Fremdenverkehrs. Resultat soll allerdings keine „touristische
Monokultur“ sein. Sondern sanfter Tourismus. Weitere Perspektiven
ergeben sich aus dem Ausbau des Dienstleistungs- und Gewerbebereichs
sowie des Ausbildungs- und Schulwesens.
Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Erlangung der Souveränität
Sloweniens (1991) ist ein Beitritt der Nachbarstaaten Ungarn und
Slowenien zur Europäischen Union wahrscheinlich geworden. Für
Radkersburg könnte sich aufgrund seiner geografischen Lage die Chance
ergeben, in diesem Länderdreieck als „Brücke“ ein Europa der
Regionen aktiv mitzugestalten